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Der Faschist von heute

Ich bin der Held, der Ordnung liebt,
der ruft, was andre kaum noch wagen.
Ich weiß genau, was falsch sich gibt,
und muss es stündlich neu ertragen.

Ich ruf nach Freiheit, laut und krumm,
doch meine Freiheit heißt Befehlen.
Ich liebe Volk – doch bleib ich stumm,
es soll mir folgen, nicht erzählen.

Ich schwör auf Land, auf Blut, auf Pflicht,
auf Ahnenruhm und Vater Ehre.
Doch Wahrheit trägt in meinem Licht
die Maske einer alten Lehre.

Ich hasse Schwäche, nenn mich stark,
weil andre zittern, wenn ich tobe.
Ich bau mir Wut zur Landesmark,
aus Lügen schmied ich meine Robe.

Ich füttre Netz mit Feind und Spott,
die Menge klickt in heil’gen Chören.
Ich spiel mich auf als kleiner Gott,
und lass mich liken statt belehren.

Ich liebe Krieg – im warmen Raum,
auf Monitor und Nachrichtbühne.
Ich trage Stahl nur im Programm
und nenne Angst ´ne Heldenmiene.

Ich habe Freunde, glatt und fein,
sie kriechen weich in meine Nähe.
Sie nennen Lüge „Mutigsein“,
solang ich kräftig drüberstehe.

Ich frühstück’ Neid und Missgunst roh,
er nährt mein Wort, er hält mich oben.
Ich nenn das ehrlich – ach, wieso?
Man hat mich schließlich schon gehoben.

Ich rede laut von Tradition,
von Heimat, Recht und Volksgedanken.
Doch unterm Ruf liegt die Mission,
die Macht zu mehren, nicht zu danken.

Ich lebe fett in dieser Zeit,
vom Elend, das ich selbst entfache.
Ich schwör auf Gott und Sicherheit,
solang ich selbst die Regeln mache.

Und wenn die Nacht das Land umweht
und keiner mehr Parolen schreit,
seh ich, wie spät mein Banner steht –
und was von mir im Dunkel bleibt.

Satire

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