top of page

Das Kuckucksei

In einem Viertel, wo der Rasen perfekt ist,

wo die Nachbarn die Zäune mit Disteln und Hyazinthen zieren,

da sitzt sie, die werdende Mutter, in ihrem schneeweißen Kleid,

im Schatten des fein gestrichenen Hauses.

Neun Monate später, ein Schrei, ein Aufschrei —

ein Baby, ein Junge, mit Haut wie die Nacht,

oh, was für ein Unglück, ein Kuckucksei,

im Nest der Normalität.

Es haut die Ruhe auseinander —

ein Schatten huscht durch die heile Welt,

ist so schwarz wie die Geheimnisse, die sich in Klatschrunden verbergen,

das Haus verhüllt sich in skandalösem Schweigen.

„Woher kommt dieses Kind?“ fragt der Vater, blass,

der Stolz zerbrochen wie das geschmackvolle Porzellan.

„Was hast du getan?“ echot sein Vorwurf,

zwischen frischem Wind und falscher Fassade.

Die Mutter, zitternd, spricht leise:

„Es war der Kuckuck, der mein Nest beflog,

er hat mir unwissentlich

ein Ei hineingelegt.“

Die Nachbarn tuscheln, Häme fließt,

während der kleine Branden spielt,

unschuldig in seiner dunklen Haut,

doch die Welt um ihn herum wird bitter.

So wandelt er durch goldene Straßen,

ein echter Londoner, aus einer anderen Welt,

mit dem Echo von Gelächter, das nicht zu ihm gehört,

er ist ein Kuckuck im weißen Kleid.

Lyrik

​

Impressum​

Datenschutzerklärung

© 2026 Sigrun Al-Badri

Alle Rechte vorbehalten. Die auf dieser Website veröffentlichten Texte und Fotografien sind urheberrechtlich geschützt, soweit die gesetzlichen Voraussetzungen vorliegen.

Erstellt mit Wix.com

bottom of page