Das Immermehr
Die Nacht verkauft ihr letztes Stück,
im Chromlicht flirrt die süße Lüge.
Ein Selfie wiegt viel mehr als Glück,
und Wahrheit trägt Designerzüge.
Der DJ mixt Bewusstsein pur,
verpackt in Drops aus „Love & Power“.
Er nennt’s Gefühlskultur – doch nur
klingt alles wie aus Werbe-Hour.
Mister Angel, neuer Dealer,
hat „Mindfulness“ im Logo stehen.
Er spricht vom Glow, wird selbst zum Healer,
sobald die Dosen übergehen.
Lia und Marc, perfekt inszeniert,
sie posten Nähe, glatt retuschiert.
Ihr Kuss, der künstlich arrangiert,
hat echtes Fühlen ausradiert.
An der Bar wird Trost serviert,
in Kelchen voll von Selbstversprechen.
Man lacht, als wär man inspiriert,
und übt das schöne Weltverbrechen.
Die Gläser flimmern, sacht verziert,
die Blicke tanzen – leicht verstört.
Ein Lächeln, das den Halt verliert,
bevor ein Wort den Boden stört.
Der Drink – so süß, so unbeschwert –
verspricht die Nacht, doch hält sie nicht.
Man träumt sich wach, halb umgekehrt,
im falschen Film, bei grellem Licht.
Die Tanzfläche – ein Menschenmeer,
das blinkt, verbrennt, sich selbst betört.
Ein jeder sucht das „Immermehr“,
bis keiner merkt, dass nichts mehr stört.
Ein Trunk, der löscht, was nie geschah,
die Zeit verrinnt in blassem Flirren.
Kein Blick, kein Name bleibt mehr da,
wo selbst die Spiegel Bilder irren.
Der Morgen kommt, verkatert, bleich,
das Neon schneidet durch das Schweigen.
Was blieb, bleibt stumm – so leer, so gleich –
kein Wort will sich mehr zeigen.