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Blindblick
Er weiß, was wahr ist Tag für Tag,
verkündet’s laut – weil’s keiner fragt.
Im eignen Echo wohlgeborgen,
verkauft er gestern schon als morgen.
Er misst die Welt mit Löffelmaß,
rührt Wut zu Brei, serviert sie blass.
Und nennt das dann – man glaubt es kaum –
den heil’gen Klang vom „Wahrheitstraum“.
Sein Spiegelbild, das spendet Beifall,
der Rest bleibt stumm – welch schöner Schall.
Denn wer sich selbst so laut zitiert,
merkt selten, dass er sich blamiert.
Er frisst aus Kellen, ruft: „Ich seh!“ –
doch schaut nur in sein Eigenweh.
Die Welt ist rund, sein Denken flach,
und jeder Zweifel macht ihn schwach.
So läuft er Kreise Jahr für Jahr,
die Wahrheit längst nur Deko war.
Er ruft nach Klarheit, blind vor Glanz,
im Takt der eignen Ignoranz.
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