Am Meer
Müde Möwen treiben mit den Winden,
sie sinken in den Abend sacht –
es verblasst das Lächeln auf den Wellen,
das kurz noch in der Sonne lacht.
Im Nebel ruft ein fernes Bootshorn,
die Küste hält den Atem still,
nur das Meer rauscht sanft im Zwielicht,
so wie mein Herz es fühlen will.
Überm Wasser dämmert sanft der Morgen,
die Nacht vergeht, der Tag erwacht.
Mein Spiegelbild im Glas verschwimmt,
die Stille hält mich mild bewacht.
Draußen ziehen Schiffe ihre Spuren,
als schrieben sie ein fernes Wort,
das niemand liest, das niemand deutet –
nur ich trag seine Sehnsucht fort.
Dort am Horizont die leisen Schimmer,
das Blau verweht im weiten Raum.
Muscheln blinken, wie verlorne Augen,
die träumend ruhn im flachen Schaum.
Jede Welle scheint mir zuzuraunen,
von dir, von uns, von einem Wir –
und in den Salzgeschmack der Stunde
haucht still das Meer: „Bleib hier – bei mir.“
Ich möchte fort, hinab zum Ufersaum,
wo Wind und Woge Namen tragen,
möcht meinen Herzschlag in den Wind
und meine Fragen in die Wasser sagen.
Das Meer, es ruft – so tief, so klar,
als trüg es Antwort in sich drin,
und jede Bö will mich erinnern:
dass ich aus seiner Weite bin.